Die Ausstellung to be befasst sich mit den Grundsätzen der menschlichen Existenz. Es geht um die einzige Aufgabe, die das Leben von sich aus stellt: zu sein. Ihr nachzukommen ist prinzipiell einfach, was der Grund für die ökologische Vielfalt auf unserem Planeten ist. So diktiert das Leben weder Ästhetik, noch Moral, oft nicht mal Funktion: was es schafft zu existieren, darf sein. Als Menschen haben wir ständig Ansprüche an uns selbst und andere, die weit über ein schlagendes Herz hinausgehen. Ob Schönheit oder sozialer Status, wir geben uns Aufgaben, deren Erledigung schnell den Rhythmus unseres Lebens bestimmt. Gleichzeitig erleben wir, wie die Aufgabe der bloßen Existenz immer schwieriger wird. So gilt es nicht nur, die bereits bestehenden Gefahren des Klimawandels zu überwinden, sondern auch aufkommende Gefahren von vernichtenden Ideologien und Technologien zu erkennen und zu bannen. Ein Kampf löst den anderen ab, es gibt so viel zu tun. Und so stehen auf unserem To Do-Zettel Aufgaben, die sich nicht einmal mehr priorisieren lassen, weil alles drängt. Was bleibt, ist ein innerer Kampf zwischen dem ständigen Gefühl der Getriebenheit und der Überwältigung beim Anblick der immer länger werdenden Liste. Ein Kind schläft seelenruhig auf dem Sofa, die Haarspange, die den Tag über noch Spannung hielt, ist zur Seite gelegt. Ob zwischen roten Klippen oder in einer Wiese liegend, die Protagonist:innen der Gruppenausstellung to be halten inne, nicht im Ereignis, sondern im Dazwischen. To be lädt ein, alle Aufgaben – ob fremd oder selbst auferlegt – vor der Tür und die inneren Kämpfe ruhen zu lassen. Sich irgendwo zwischen aktivem und passivem Existieren von den sanften Bildwelten leiten zu lassen, Raum zu machen für neue Ideen. Hier ist Platz für eine temporäre Utopie, in der es Nichts zu planen gibt, einen Raum, in dem alles in Ordnung ist, einen Moment für grundlose Glückseligkeit, eine Erinnerung wofür es sich lohnt, durchzuhalten. Die elf künstlerischen Positionen setzen sich mit dem Grundlegenden im Leben auseinander, dessen Kraft bereits Nina Simone in ihrem Protestlied I got Life besang: Darin zählt sie auf, was ihr fehlt und kehrt im Chorus zu der Feststellung zurück, dass sie alles hat, was es braucht: das Leben. Diese Idee kann helfen von Zwängen und Herrschaft zu befreien. Die Wertschätzung des eigenen Seins ist die Bedingung für jede Revolution.
mit Arbeiten von
KATER D (*1988 Österreich)
LUNITA-JULY DORN (*1999 Deutschland)
SOPHIE HEUKEMES (*1999 Deutschland)
NELLIE JONSSON (*1992 Schweden)
DORIS KOLPA (*1996 Niederlande)
GABRIELE MÜNTER (*1877-✝1962 Deutschland)
JULIE PETER (*1985 Dänemark)
FLOOR SABELIS (*1997 Niederlande)
EMMA SARPANIEMI (*1993 Finnland)
MALWINE STAUSS (*1993 Deutschland)
und LARA WEILER (*1999 Luxemburg)
kuratiert von LENA RHEINBAY
Text: Mie Volke