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JARMUSCHEK + PARTNER

PATRICK CIERPKA-TEXTE

PATRICK CIERPKA

TEXTE (AUSWAHL)
 

Ausstellungstext “TAGNACHT” 
Jarmuschek + Partner | 3. Mai - 14. Juni 2014 

Ein Blick in die Sonne verändert die Wahrnehmung. Man erblindet kurzzeitig, auf der menschlichen Netzhaut entstehen Nachbilder, die eine verzögerte Reaktion des Auges auf den Reiz des Lichts darstellen. In der Betrachtung der eigenen Umwelt lösen sich Konturen auf, überlagern sich Motive und bilden neue. Genau das passiert auch in den aktuellen Arbeiten von Patrick Cierpka. Darin entwickelte er seine Serie von Ge- genlichtmotiven weiter, stellt Tag und Nacht gegenüber. Am Tag strahlt der sonnenhelle Himmel zwischen Zweigen und Blättern, nachts sind es die grellen, künstlichen Lichter, eingefangen als Spiegelungen auf glänzenden Oberflächen und räumlich inszenierten Scheinwerfern.

Scheinbar figürliche Objekte verzerren sich im Auge des Betrachters zu abstrakten Formen und umgekehrt konkretisieren sich Linien und Kreise zu offenbar haptisch erfahrbaren Gegenständen. In „zero“ lösen Lichtreflexe klare Umrisse auf, das Auge versucht zunächst vergeblich weitere Lichtquellen im Bild ausfindig zu machen und findet schließlich den vermeintlichen „Nullpunkt“ im Hintergrund des Bildes, der von einer roten Schrift gestellt wird. „Bombejour“ stellt gleißende Sonnenstrahlen als natürliche Lichtquelle in den Mittelpunkt. Von ihrer Intensität geht auch die Wahrnehmungsänderung aus, die das Bild zwischen Abstraktion und Figuration changieren lässt.

Der Künstler bietet dem Betrachter viel Raum zur Entdeckung seiner Bilder, deren formale Ausrichtung bewusst offengehalten wird. Vielmehr schafft Patrick Cierpka eine Ästhetik, die bereits in seinen früheren Arbeiten zu erkennen war und nun um weitere bildnerische Nuancen erweitert wurde. Die Konzentration auf Licht und Schatten, hell und dunkel, positiv und negativ wird in der aktuellen Ausstellung „TAGNACHT“ in der Galerie Jarmuschek+Partner zur Essenz der Arbeiten Cierpkas. 

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Ausstellungstext "ich war kurz blind"
Jarmuschek+Partner | 05. November – 17. Dezember 2011

Das Flimmern der Bilder

In seinen aktuellen Arbeiten versetzt Patrick Cierpka den Betrachter in irrende, farblich opulente Land- schaften, in welchen der Betrachter vergeblich nach klaren Konturen sucht. Geäst und Dickicht verschwim- men vor Augen, scheinbar so, als hätte der Betrachter innegehalten und zu lange in die Sonne geblickt. So kann der Titel der Ausstellung tatsächlich wörtlich ge- nommen werden: „ich war kurz blind“ beschreibt eben jenen Augenblick, der sich nach einem ausgiebigen Blick ins direkte Sonnenlicht einstellt. Kurzzeitig erscheint alles grell, gar weiß um den Betrachter herum. Um aus diesem Zustand der kaleidoskopischen Überblendung herauszugelangen, muss der Betrachter blinzeln bis er seine Umgebung wieder wahrnehmen kann. Eben jenen lichtblitzkurzen “Augenblick“ zwischen Überblendung

undderRückkehrzuklarenKonturenhatPatrickCierpka in Malerei transformiert. Dabei sind es die leuchtenden Farbschichten, die uns taumeln lassen und immer weiter hineinziehen, bis wir – nach dem Flirren – zu dem ab- strakten Grundgerüst seiner Bildwelten vordringen.

“ich war kurz blind” ist Patrick Cierpkas zweite Aus- stellung in der Halle am Wasser und zeigt ein neues Spektrum seines Schaffens. Er spielt mit der War- nehmung des Betrachters und stellt diese scheinbar auf die Probe. In einer Zeit, in der das menschliche Auge vom unausgesetzten Rauschen der Bilder überfor- dert wird, sucht Cierpka nach den zwar kurzen, dennoch die persönliche Erinnerung prägenden Augenblicken. 

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