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JARMUSCHEK + PARTNER

OLIVER GRÖNE-TEXTE

OLIVER GRÖNE

TEXTE (AUSWAHL)


Ausstellungstext "Reissue Modified"
Jarmuschek+Partner | 31. Oktober 2015 - 16. Januar 2016

Mit „Reissue Modified“ präsentiert die Galerie Jarmuschek+Partner noch bis zum 16. Januar 2016 aktuelle Arbeiten von Oliver Gröne. Die Ausstellung bietet einen Einblick in die neuesten Entwicklungen im Werk des in Berlin lebenden Künstlers.
Nachdem seine bisher entstandenen Bilder vor allem gestisch und farbintensiv gemalte, rhythmisch angeordnete Birkenwälder und atmosphärisch aufgeladene Gewitterlandschaften zeigten, wendete sich Oliver Gröne im Jahr 2014 erstmals einem anderen Sujet zu: dem Blumenstilleben. Inspiriert von den Gemälden der Alten Meister erschließt er das Motiv durch seine pastose, farbgewaltige Malerei neu. Wie um die Vergänglichkeit des Dargestellten vorwegzunehmen, lösen sich die von Ferne wie arrangierte Blumenvasen wirkenden Kompositionen bei näherer Betrachtung in abstrakten Farbgesten auf.

Im Jahr 2015 entstand eine weitere neue Werkgruppe, in der Oliver Gröne sich spielerisch dem Stillleben mit Gefäßen widmete. Mit den allesamt querformatigen Gemälden erreicht der Künstler nun einen außergewöhnlichen Grad der Balance zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Eine Reihe von fünf Mittelformaten (70 x 100 cm) weist atmosphärisch wie farblich erneut starke Bezüge zum Stillleben des 17. Jahrhunderts und der barocken Hell-Dunkel-Malerei berühmter Maler wie Caravaggio, Jacob Jordaens oder Rembrandt auf. Der großflächig in Nuancen von Schwarz gehaltene Hintergrund und die teilweise leuchtenden Farben bilden einen kraftvollen Kontrast, der das Spannungsverhältnis von Formen und Farben abermals verstärkt und konzentriert wahrnehmbar macht. Einzelne Partien changieren hier zwischen aufgelöster Flächigkeit, konkreter gegenständlicher Verhältnismäßigkeit und abstraktem Farbraum. Wie auch die Kleinformate, die vor allem eine leichtere Farbpalette und ein mitunter klarer definiertes Raumverhältnis aufweisen, spielen sie mit dem geübten Auge des Rezipienten: Das kunstgeschichtlich aufgeladene Motiv scheint hier greifbar nah, aber dennoch nicht festgelegt - lässt sich doch auf den zweiten Blick eine Architektur, eine Landschaft, ein völlig anderer Gegenstand ebenso entdecken... Die intensive Behandlung mit und die schlussendliche Loslösung von der bekannten barocken Komposition veranlasst den Künstler zur Reflexion über die bahnbrechenden Errungenschaften der Kunst des 20. Jahrhunderts vom Kubismus bis hin zur Farbfeldmalerei sowie zur Anwendung dieser in immer wieder neuer, anderer und befreiter Form. Reissue Modified. Oliver Grönes neue Arbeiten lassen den Betrachter somit taumeln zwischen intellektueller Auseinandersetzung und kontemplativem Eintauchen.

Einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung bilden schließlich zwei Großformate, mit denen Oliver Gröne den Kreis schließt, indem er thematisch zu den baumbewachsenen Landschaften zurückkehrt. Abstrakter und spannungsgeladener denn je scheinen diese beiden Bilder in ihrer Komposition und malerischen Umsetzung durch die vorherigen Experimente hindurch gegangen zu sein. 

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Ausstellungstext "Kosmos"
Jarmuschek+Partner | 12. März - 16. April 2011

In einer Zeit, die von Technik und Medialisierung geprägt ist, hat sich der in Berlin lebende Künstler Oliver Gröne ganz dem Medium der Landschaftsmalerei verschrieben. Er setzt somit das Wechselspiel zwischen Mensch und Natur und den damit einhergehenden Sehnsuchtsgedanken nach Harmonie und Zurückgezogenheit bzw. den scheinbaren Luxus einer freien Reflexion in der Malerei in den Mittelpunkt seines künstlerischen Interesses.

In seiner Malweise und Bildkomposition zitiert der Künstler immer wieder wichtige Vertreter der Landschaftsmalerei, die auch einen wesentlichen Beitrag zur abstrakten Malerei geliefert haben, wie z.B. die Schule von Barbizon, insbesondere Camille Corot sowie Gustave Courbet. Gröne führt deren Abstraktion aber wesentlich weiter, indem er das Illustrative immer mehr überwindet und die Oberflächenstruktur und Textur der Leinwand sichtbar macht. Mittels eines starken Wechsels von warmen und kalten Farben sowie von Hell und Dunkel erzeugt der Künstler eine ganz eigene Räumlichkeit. Indem er in den Vordergrund angeschnittene Baumstämme stellt, die meist den Blick auf den dahinterliegenden Landschaftsausschnitt verdecken, wird das Gefühl noch verstärkt, sich mitten im Bild, in diesem wiedergegebenen Wald, zu befinden. Wenn es in Oliver Grönes Gemälden Hinweise auf Zivilisation gibt, dann meist in Form von schemenhaften Gebäuden, Betonklötzen oder Zäunen. Diese dienen aber mehr zur Verdeutlichung der Räumlichkeit und als Zeichen für die Unbezwingbarkeit der Natur durch den Menschen.

In seiner ersten Einzelausstellung in der Halle am Wasser zeigt Gröne seine neue Serie „Kosmos". In diesen Bildern, die allesamt Titel von Werken Barnett Newmans tragen, befasst sich der Künstler mehr denn je mit der Raumauffassung im Bild und der Wirkung von Farbe und Fläche. Durch das große Format (190 x 300 cm) und die Verwendung von Primärfarben verweist er auf den Begründer der Farbfeldmalerei und lädt den Betrachter auf ähnliche Weise ein, sich von der im Bild erschaffenen Stimmung einnehmen zu lassen, sie in sich aufzunehmen und sich in der im Bild dargestellten Natur wiederzufinden. Er greift damit auch das Thema des Erhabenen in der Malerei auf, insbesondere in der Landschaftsmalerei, mit dem sich auch Newman auseinandergesetzt hat. Newman fand in seinen Bildern über die monochrome Farbflächenmalerei zu der Wirkung des Erhabenen. Oliver Gröne bedient sich ebenfalls des großen Formates und der Farbwirkung, um ein Gefühl des Erhabenen zu vermitteln bzw. eine kontemplative Wirkung beim Betrachter zu erzielen.
Durch die pastose Oberfläche und die deutlich sichtbare Textur des Materials werden die Baumstämme im Vordergrund zu einer haptischen Erfahrung, in der Schicht für Schicht der sorgfältige Schaffensprozess sichtbar wird.

Auch ist eine Serie von kleinformatigen Bildern entstanden, in denen der Künstler auf die starken hellen und dunklen Kontraste, die für die Malerei des Barock kennzeichnend sind, Bezug nimmt. Vor allem setzt er sich in diesen Werken mit der speziellen Lichtwirkung des holländischen Malers Rembrandt auseinander, ein diffuses Licht, das direkt aus dem Bild herauszuleuchten scheint und dabei eine ganz eigene Stimmung erzielt. Gröne übernimmt diese Lichtwirkung und führt sie weiter in eine fast monochrome Abstraktion, in der alles Gegenständliche verschwindet.

Oliver Grönes Bilder bestechen durch eine Aura, die uns die Kleinheit des Menschen gegenüber dem Universum und unser existenzielles Ausgeliefertsein vor Augen führt.

Christina Neumaier

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Ausstellungstext "Fahrt und Nacht"
Jarmuschek+Partner | 27.10.- 24. 11. 2007

Die neusten Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Oliver Gröne knüpfen an seine Werkreihe „Westacker“ an. Er schafft grossformatige Ölgemälde, die bei erster Anschauung als extrem verdichtete Waldlandschaften auf den Betrachter wirken. Ähnlich wie bei Barnett Newman funktionieren die grossformatigen Bilder Grönes durch ein unmittelbares Gegenüber. Die anfänglich scheinbar abgebildete Realität kann nur durch die direkte Gegenüberstellung von Betrachter und Bild wiederlegt werden. Hierbei kommt es auf den Betrachterstandpunkt an. Betritt man den Raum, glaubt man eine romantische Landschaftsmalerei im Sinne des 19. Jahrhunderts vor sich zu haben. Nähert man sich dem Gemälde, wird deutlich, wie sehr diese Malerei durch das Feuer der Abstraktion hindurchgegangen ist: Die anfänglich wahrgenommene Waldlandschaft tritt in den Hintergrund und Einzelheiten gewinnen stark an Wert. Die Farben, ihre Oberflächenstruktur und die Textur der Leinwand ziehen nahezu alle Aufmerksamkeit auf sich.

Die Farben sind in Grönes Arbeiten Ausgangspunkt und stimmungsbildend zugleich. Naturstimmungen sollen mittels einer abstrakten Farbfläche eingefangen werden. Die Textur und die Komposition in Grönes Arbeiten dienen als raumgebende Komponente. Schwarze Streifen, die auch als Bäume wahrgenommen werden können, deuten Tiefe an. Die pastose Malweise der dadurch im Vordergrund scheinenden Bäume und Pflanzen, sowie die versetzte Anordnung der Streifen, erzeugen ein Raumgefühl. So etwa im Bild "Birkengrund", in dem die orangen, feinen Pinselstriche, welche als Pflanzen gesehen werden können, im Vordergrund stehend eine Abgrenzung zur restlichen Fläche darstellen. Die gesamte Fläche, welche durch die Intensität der Farben dem Betrachter wuchtig entgegenkommen sollte, bleibt bei Gröne mit Hilfe der Begrenzungsstreifen als opake Fläche im Hintergrund stehen, so dass eine paradoxe Raumsituation entsteht. Durch die Oberflächenstruktur und die Anordnung der Streifen werden die Bilder Grönes in einen neuen Kontext gestellt. Es sind nicht, wie anfänglich angenommen, reale Abbilder der Natur, sondern mit Hilfe abstrakter Malerei geschaffene Wahrnehmungsräume, die den Betrachter auffordern, ein Bild tiefergehend zu betrachten. Somit gelingt es Gröne einen kunstintellektuellen Anspruch an seine Bilder einzulösen, in dem er unentwegt Bilder im Bild erstellt.

Zum ersten Mal werden in der Ausstellung „Fahrt und Nacht“ auch ungewöhnlich kleinformatige Arbeiten des Künstlers ausgestellt. Diese können als konsequentes Weitermalen der präabstrakten Landschaftsimpressionen Camille Corots gelten, denn Gröne ist kein Plein air – Maler im Sinne des 19. Jahrhunderts. Seine Bilder entstehen vielmehr aus einem inneren Entwicklungsprozess heraus, für den die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts Begründung und Anreiz für einen neuen malerischen Ansatz ist. Die ohnehin auf das wesentliche verdichteten Kompositionen der Landschaftsnotate Corots hat Gröne daher in seinen neuen Arbeiten noch einmal verdichtet und zeigt damit eindrucksvoll, dass sich Landschaft als reine Malerei keineswegs aus dem Kanon der Moderne verabschieden muß.

Denise Sumi

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DER PRACHTHIRSCH HINTER GITTERN

Berliner Zeitung - 19. November 2006

Ein Prachthirsch steht mitten im Bild und röhrt in die abendliche Stille. Um ihn herum ist es schwarz vor Bäumen oder leuchtet es lila, wo das letzte Tageslicht durch den Wald dringt.

Ein Prachthirsch steht mitten im Bild und röhrt in die abendliche Stille. Um ihn herum ist es schwarz vor Bäumen oder leuchtet es lila, wo das letzte Tageslicht durch den Wald dringt. Eine gemalte Idylle aus Stimmung und Licht. Und ein Gruß an Gustave Courbet, der Hirsch und Reh im 19. Jahrhundert häufiger durch seine exakt gemalten Landschaften springen ließ. Oliver Gröne lebt allerdings 150 Jahre später als der große französische Realist. Auch die präzise Wiedergabe von Natur interessiert ihn wenig - obwohl man sich vor seinen Bildern schnell in eine wild gewachsene Vegetation versetzt fühlt. Doch weshalb beschäftigt sich der Maler in seiner Arbeit dann so intensiv mit solchen Sujets, die momentan in gleich zwei Berliner Galerien - bei Jarmuschek und Partner in der Einzelausstellung und in der Galerie beat. zusammen mit Industrielandschaften von Thorsten Freye - zu sehen sind? Vielleicht, weil schon Courbet weit mehr war als nur ein Chronist der Wirklichkeit und sich intensiv mit dem Phänomen des Raums im Bild beschäftigte.

Um den artifiziellen Bildraum geht es auch Gröne. "Meine Bäume sind ja eigentlich Gitter vor der Landschaft", meint der 38jährige. Wer sich die phantastischen Nachtstücke genauer ansieht, merkt schnell, dass man hier trotz großer Formate keineswegs in mystische Wälder eintauchen kann. Tatsächlich verhindern die Stämme im Vordergrund jeden tieferen Blick in die Landschaft, und was weiter hinten angesiedelt ist, wird ohnehin vom Dunkel der Bäume geschluckt. Die Trennung zwischen den Ebenen macht noch etwas klar: Der Betrachter steht draußen und bleibt es auch.

Hier bricht Gröne als zeitgenössischer Künstler mit dem 19. Jahrhundert. Auch wenn er sich lange mit den romantischen Phantasien eines Rilke oder Novalis beschäftigt hat, denen das Tafelbild einst Fenster war: Tor in eine Welt voller Symbole, die sich vorgeblich zu Landschaften zusammenfügen und doch reine Introspektionen sind. "Blick aufs Meer" oder "Mondrians Ferien" hießen die Formate. Mit monochromen Flächen rechts und links, die den Blick auf das immerblaue Meer ebenso streng begrenzten wie auf Wolkenformationen oder Promenaden. Wir sind Konstrukte, schienen die Motive zu rufen, und: Trau unserer Oberfläche nicht.

Ein paar Dutzend Leinwände später sind die Ansichten subtiler geworden. Statt sich lärmend von jeder reinen Abbildlichkeit zu verabschieden, wechseln sie leise zwischen abstrakter Komposition und Idealidyll. "Anderes wird ornamentaler" merkt er an, und auch dies machen die neuen Arbeiten sichtbar: Im Vordergrund schlängeln sich nun vereinzelt kleine Gewächse, deren Blüten mithilfe genoppter Plastikfolie auf die Leinwand gedruckt sind. Neue Techniken und eine entspannte Selbstverständlichkeit im Umgang mit konkreten Motiven. Beides fällt auf und kommt gut an, nicht nur weil die figurative Malerei gerade sehr erfolgreich ist. Viel mehr noch interessiert Grönes Kurzschluss von malerischer Tradition und Gegenwart, sein Fundus an schnell gemachten Fotos und Erinnerungen an eine ländlich geprägte Heimat. Die Essenz dieser Eindrücke ist eine autonome Bildsprache mit einem Vokabular, das sich stetig fortentwickelt. "Jedes Bild", meint Gröne, "ist eine malerische Problemlösung. Doch dafür wirft es gleich drei neue Fragen auf, die beantwortet werden wollen."