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OLIVER GRÖNE

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OLIVER GRÖNE
KABINETT

27. April — 25. Mai 2019
Eröffnung: Freitag, 26. April 2019, 18—21 Uhr

 
Abb.: Oliver Gröne, Head full of steam, 2019, Acryl und Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm

Abb.: Oliver Gröne, Head full of steam, 2019, Acryl und Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm

Wer Oliver Grönes bisherige Arbeiten kennt, der weiß, dass es bei diesem Künstler keinen Stillstand gibt. Ob die französische Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts, Birkenwälder, barocke Stillleben oder die modernen Bildkompositionen des Kubismus und der Pittura Metafisica – immer wieder findet er Sujets, Denkansätze und Epochen, mit denen er einen Dialog führt und alte Fragen neu aufwirft. Die Antworten in seinen Gemälden sind nie bloße Ablehnung oder Adaption, sondern immer eigene Perspektive und individuelle Weiterentwicklung eines Themas.

In seiner aktuellen Ausstellung konfrontiert er uns mit einem neuen Hauptmotiv: dem Kopf.
Sein Kabinett setzt sich nicht aus realen, im Porträt gezeigten Persönlichkeiten zusammen, sondern vielmehr aus geheimnisvollen Typen, bestehend aus collagenhaft angeordneten Flächen, Elementen und Formen, welche die Figur nur suggerieren und den Betrachtenden dennoch sofort zum Assoziieren und Zuordnen motivieren: Was macht einen Kopf zu einem Kopf und diesen auch ohne individuelle Züge zu einer Rolle, einem Charakter? Wo sind die Grenzen? Und was für eine Persönlichkeit könnte die hier dargestellte Gestalt am Ende sein?

Frei und nicht ohne Humor spielt der Künstler dabei mit Dimension, Perspektive und Ebene. Einzelne Flächen staffelt er nicht wie in der Ansicht üblich, sondern legt sie mit bewusster Andeutung von Dreidimensionaltiät provokant und scheinbar willkürlich übereinander. Auf den zweiten Blick möchte man vermuten, hier geht es vielleicht gar nicht um einen menschlichen Kopf, sondern um eine entfernte Skulptur davon, etwas Zerlegtes und Wiederaufgebautes.
Nur, weil an entsprechender Stelle platziert, erscheinen winzige Kringel als Augen, eine Welle als Mund oder eine dunkle Partie als Bart. Vierecke und Halbkreise werden zu Nasen und wellige Silhouetten reichen aus, um eine Frisur auszumachen. Obwohl einzelne Partien eine eigene, völlig neue Farbigkeit fernab natürlicher Realitäten erhalten, Stirnflächen und Haare mitunter viel eher der Form und Optik eines Heizungsrohres ähneln und Töne wie Pink, Lila, Blau oder Grün eigentlich keine Gedanken an Gesichtszüge zulassen dürften, schafft es Oliver Gröne, den Kopf immer wieder in seiner grundlegenden Verfasstheit zu erwischen. Er trifft dabei den kleinsten gemeinsamen Nenner des Sujets, ohne sich auch nur annähernd mit der Einfachheit des sprichwörtlichen Mondgesichts aus Punkt, Punkt, Komma und Strich zu begnügen. Komplex und experimentierfreudig variiert er immer wieder die kompositorischen Ansätze, findet neue Spielarten der Ausformung und treibt die Abstraktion auf die Spitze. Am Ende ist es Malerei.