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JARMUSCHEK + PARTNER
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MAJLA ZENELI

 

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MAJLA ZENELI
ON STOPS AND CONTINUANTS

26. Januar – 2. März 2019
Eröffnung: Freitag, 25. Januar 2019, 18—21 Uhr

 
 
Abb.: Majla Zeneli, OSAC 6, 2018, Mezzotinto-Druck, 10 x 8 cm

Abb.: Majla Zeneli, OSAC 6, 2018, Mezzotinto-Druck, 10 x 8 cm

In der ersten Ausstellung dieses Jahres präsentiert die Galerie Jarmuschek + Partner zwei neue Werkserien der Künstlerin Majla Zeneli.

Wie die Aussprache der Wörter eine Artikulation der immer neuen Kombinationen von Vokalen und Konsonanten ist, so besteht auch Majla Zenelis Präsentation On Stops and Continuants aus einzelnen Bildern, die als Variablen in einem System größerer, vielteiliger Einheiten gelesen werden können. Immer wieder neu miteinander denk-und kombinierbar, werfen sie beim Betrachter Fragen nach der Substanz und dem Wesen eines Bildes auf. Was macht ein Bild zu einem Bild? Ab wann ist es eine eigenständige, in sich funktionierende Einheit und wo setzt es sich vom nächsten ab? An welcher Stelle sind die Übergänge und Grenzen zu anderen Werken zu finden und wie beständig oder autonom ist ein Bild in seiner Erscheinung, Lesbarkeit und Bedeutung für uns überhaupt? In einer Serie mehrschichtiger Drucke spielt die Künstlerin mit der Erzeugung von Tiefe und Perspektive durch einfachste geometrische Konstellationen und Hell-Dunkel-Kontraste. Kontemplativ erfahrbare, feinporige Farbflächen lassen den Betrachtenden in einen Farbraum eintauchen, in dem diffuse Linien und klare Brüche wie Horizonte, Himmel, Schatten oder Lichtkegel wirken.
Ob Innen- oder Außenraum, begreifbare Anordnung oder surrealer Widerspruch – stets bleibt die Reaktion pure Assoziation und Gedankenbild. Zugleich sind diese Bilder in ihrer Zusammensetzung immer wiederkehrender Formen als willkürlich anmutende, minimalistische Additionen zu erfassen, welche in ihrer Rätselhaftigkeit die Suche nach Gesetzmäßigkeiten, Zugehörigkeiten und einem mutmaßlich angewendeten Code in der Serialität provoziert.

Auch im zweiten, figürlichen Werkkomplex der Ausstellung, für den Majla Zeneli sich von einer Publikation (Hrsg. Joe Hembus) über die Filmikone Humphrey Bogart inspirieren ließ, spielen das Verbinden und Trennen einzelner Bildelemente eine nicht unerhebliche Rolle. Die schwarz-weißen Collagen nehmen Bruchteile von den bereits ausschnitthaften Filmstills auf und setzen sie in andere, geheimnisvolle Kontexte. Während das Narrativ surreal verfremdet und neu entworfen wird, geraten Gesten und Posen, Schatten und Leerstellen ebenso in den Fokus wie einzelne Gesichter und Hände. Geschlechtsspezifische, filmische und medial inszenierte Rollenbilder legen sich übereinander und eröffnen einen immer wieder neu ansetzbaren Dialog, bei dem die Zerrissenheit und Vielgesichtigkeit des Dargestellten deutlich wird – niemals aber die tatsächliche Identität. Mit besonderer Hingabe zum Wort findet die Künstlerin für ihre Collagen poetische Titel voller Augenzwinkern und hintergründigem Anspielungsreichtum, welche die künstlerischen Arbeiten mit mindestens einem zusätzlichen Aspekt zu bereichern vermögen.

Seit ihrem Studium in Breslau und Halle (Saale) hat sich die in Berlin lebende Künstlerin Majla Zeneli (*1980 in Tirana) in ihren künstlerischen Arbeiten den zwei großen Themenkomplexen Collage und Druckgrafik gewidmet. Besonders die aufwändige und facettenreiche Technik des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Mezzotinto-Drucks hat sie dabei immer weiter für sich erschlossen. Mit seinen besonderen Möglichkeiten zur Erzeugung malerischer Qualität, bildimmanenter Stimmung und Atmosphäre war dieses Tiefdruckverfahren in zahlreichen Genres der Kunstgeschichte beliebt. In Majla Zenelis Werk erfährt es eine neue Aktualität und eine im besten Sinne zeitgenössische Verwendung.