Dieter Lutsch
Trockenbau
21. Juni – 23. August 2008
Entering the arena of make-believe: Dieter Lutsch beraubt Gegenstände ihrer ursprünglichen Bedeutung, weist durch Verfremdung dem Material neue Bedeutungen zu oder funktioniert es mit neuem Impuls zu anderem Zweck um.
Die Stelen des gelernten Bildhauers bestehen aus waberndem Schaum, Brunnen erschafft er aus kurzerhand durchlöcherten Luftmatratzen, seine Kuben gestaltet er aus leichtem Styropor. Arbeitet er überhaupt noch mit Stein, dann in Verbindung mit Backwerk oder mit einer dem Material scheinbar widersprechenden Farbigkeit.
Einem Begriff aus dem Bauwesen folgend, der raum-begrenzende Konstruktionen und Installationsweisen bezeichnet, ist „Trockenbau“ eine Auseinandersetzung mit Erwartung, Form und Neugier und kehrt gleichzeitig die ursprüngliche Bedeutung des Wortes um, indem sie zur Öffnung und zur vollen Wahrnehmung des Raumes führt.
„Trockenbau“ ist eine Vollplastik aus aufeinandergestapelten Holzpaletten. Kontra jeder musealen Schwellenangst muss sie berührt und belaufen werden. Die Begehung, die Interaktion mit der Plastik führt den Betrachter selbst zum Begreifen und damit zum Entdecken des Raumes. Betritt man die Plastik wandelt sie sich augenblicklich in eine raum-offenbarende Installation. Sie fängt bereits ausserhalb des eigentlichen Zentrums, noch vor den Galerieräumen an, und dieser rote Teppich der Arte Povera lockt unwiderstehlich als Einladung, dem Pfad zu folgen und den hybriden Turm zu Babel im Inneren der Galerie zu erklimmen.
Begleitet wird die Inszenierung durch einen Klangteppich dessen Quelle sich erst nach der Umgehung und dem Abschreiten der Plastik offenbart. Eine weitere Arbeit des Künstlers bildet ein Ensemble aus „Maneki Nekos“, asiatische Glücksbringer, deren gnadenlose Verkitschung im westlichen Kulturkreis als „Winkekatzen“ von Dieter Lutsch noch auf die Spitze getrieben wird, indem er sie ihrer ursprünglichen Bedeutung völlig beraubt. Missbraucht als Musikwerkzeug, aufgestellt in der dem besten Klang folgenden Form, lässt er sie manisch ineinandergestapelte Gläser anschlagen. Geboren 1974 im rumänischen Transsylvanien und aufgewachsen in Stuttgart, studiert Dieter Lutsch ab 2001 Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee und schliesst sein Studium 2006 ab, gefolgt von einem Jahr als Meisterschüler bei Karin Sander.
