Jakob Roepke
Private view

Opening reception October 28th, 2011, 5:00 – 9:00 p.m.
October 26th – October 28th, 2011

Jakob Roepke 
Musterhaus und Tintenhudel

Pressemitteilung 
Wann immer man die Abbildung eines korrekt gewandeten Mannes in absurd anmutender Körperhaltung sieht, mit einem übergrossen Tier jonglierend inmitten eines bunt tapezierten Zimmers stehend, so handelt es sich garantiert um eine von Jakob Roepkes großartigen Collagen. 
Was Roepke Mitte der 90er anhand alter Körperertüchtigungs- Bücher entnommenen Abbildungen begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer wahnwitzigen und großartigen Bildwelt von nunmehr fast eintausend Arbeiten. Männer verheddern sich in gewundenen Stahlkonstruktionen, sitzen rittlings auf einem riesenhaften Igel und begutachten einen um ein Iglu laufenden Zwerg- Eskimo, ein Leguan bekommt ein Stück Kuchen serviert: Roepke ist nichts heilig. Deutungen mag er so gar nicht vorgeben, bewusst hält er uns alle Wege offen. Die daraus resultierenden Reaktionen der Betrachter sind sicherlich ein Fest für jeden Psychoanalytiker. 
Jakob Roepkes Atelier ist wie eine seiner Collagen, ein bei der Hausrenovierung vergessener Raum in der Berliner Mitte - authentischer geht es kaum. Der Raum hängt voller Muster, gesammelter Vorlagen und Ausrisse, auf zwei langen Holzbrettern liegen die Collagen aus, an denen er jeweils arbeitet. Sollte plötzlich aus dem Dickicht der Papiere eines seiner fabelhaften Wesen auftauchen, so wäre man keineswegs überrascht. 
Zu sehen sind seine Arbeiten mittlerweile in London, TelAviv, Dubai, Kopenhagen, Miami, Berlin. Da es auch dem richtigen Leben nie an absurden Momenten mangelt, die Jakob Roepke weiterhin als Inspiration für seine Arbeit dienen, dürfen wir gespannt sein auf die nächsten vielen wundersamen Collagen.

Jakob Roepke (*1960) studierte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und am Edinburgh Collage of Art, erhielt mehrere Stipendien und wurde 2008 mit dem Swab art prize ausgezeichnet. Roepke lebt und arbeitet in Berlin,Jarmuschek+Partner zeigt ihn nun in seiner fünften Ausstellung der Galerie und zum ersten Mal in der Halle am Wasser.

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit 1996 arbeitet Jakob Roepke an kleinformatigen Bildtafeln, von denen mittlerweile fast 1000 Stück entstanden sind. Die auf den Bildern dargestellten Geschehnisse erzählen gleichnishaft vom Möglichkeiten, wie sich das ich des Menschen verhalten kann und zeigen exemplarisch menschliche Einstellungen und Empfindungen. Hier in räumlichen Situationn verbildlicht, muss deswegen auch das Innen und das Außen und deren Wecheslebeziehnung aus psychologischer Perspektive bertrachtet werden. In den Innenräumen erscheinen wiederkehrend variierende Motive, Situationen und Themen. Jedes Einzelbild ist eine Welt für sich, doch gleichzeitig ist es konzeptionell eingebunden im Kontext des Gesamtwerkes aller Collagen von Jakob Roepke und es erschließen sich mögliche Bedeutungen einer Collage auch aus diesem Netzwerk. Anspielungen und Zitate aus Kunstgeschichte und populärer Bildwelt eröffnen noch eine weitere Deutungsebene für Roepkes Collagen.   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Menschen und Tieren

In seinen Bühnenräumen setzt der Künstler Figuren, die geradewegs Jiu Jitsu- und Yoga-Lehrbüchern entsprungen sind, wie auf einer einsamen, feindseligen Insel aus. Hier müssen sich diese Figuren monströser Tiere, wildgewordenen geometrischen Figuren und einer aus den Fugen geratenen Dingwelt erwehren. Dieser Aufstand der Elemente als alltägliche Erfahrung wird von Roepke metaphysisch überhöht und durch die abstrakt-stilisierte Form der Figur- und Raumzitate gleichsam auf überzeitliche Bild-Formeln gebracht. Als pseudomittelalterlicher Miniaturist des Grauens, der große Kunst auf kleinstem Raum zeigt, zwängt Roepke in den neuesten Tafeln aber auch Protagonisten der Kunstgeschichte wie beispielsweise Samson im Tempel der Philister in seine klaustrophoben Räume, die diese konsequenterweise zum Einsturz bringen, eintreten oder mit einem „Jahrhundertschritt“ überspringen. In anderen Tafeln widerum herrscht ein derartiger narrativer Überschuß, daß vor dem Auge des Betrachters permanent bis zu 5 Filme gleichzeitig abzulaufen scheinen. Unwillkürlich ergänzt man die heimischen prekären Situationen zu hitchcockesken Stuben-Krimis. Wenn Surrealismus das zufällige Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch ist, muss man Jakob Roepke wohl zu den Neo-Surrealisten rechnen. Mit je einem Bein auf den Schultern der surrealistischen Giganten Max Ernst und Giorgio de Chirico stehend, sieht er mit weitem Blick auf die Widrigkeiten des langen 20. Jahrhunderts zurück. Der Künstler scheint diese unterbewusst zu rekapitulieren, wenn er mit demiurgischer Mitleidlosigkeit und chirurgischer Präzision zugleich seine Protagonisten experimentellen Versuchsanordnungen ausliefert. Diese aussichtslosen, dennoch immer mit einem Schmunzeln zu beobachtenden Windmühlenkämpfe geben einer tiefwurzelnden Verunsicherung Ausdruck, für die nur eines sicher ist: dass nichts sicher ist.

Dr. Matthias Weiß: ,, Bühne, Sprichwort, Bilderrätsel - die Collagen Jakob Ropekes", Berlin 2002 (unveröffentlicht) 

Dr. Saadi Nikro: „Jakob Roepke’s Compact Collages“,  Berlin 2009 (unveröffentlicht)