Carina Linge
Lonesome Eros
Opening reception September 10th, 2010, 6:00 – 9:00 p.m.
September 11th – October 10th, 2010
Carina Linge „Einsamer Eros“
Mit der Bildsprache ihrer Serie „Einsamer Eros“ bezieht sich Carina Linge auf Motive der Renaissance- und Barockmalerei bis hin zum 19. Jahrhundert. Wir glauben, ihre Bilder zu kennen, doch ist da immer etwas verstörend Anderes, ein bedrohliches Detail, eine unerklärliche Geste oder ein Gegenstand, der uns in die Gegenwart zurückholt. Carina Linge nutzt unser Wissen über Allegorien und Symbolik als probates Mittel, um „Tiefergehendes“ über die portraitierten Personen erzählen zu können. In einem einfachen Portrait kann sie nicht einfangen, was sie in langen Gesprächen mit ihren Modellen erfahren hat. Bevorzugt arbeitet sie mit Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld, deren unbedingtes Vertrauen sie gewonnen hat. Sie fotografiert Singles und Paare vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Frage nach der Beziehungsfähigkeit des modernen Menschen: inwiefern ist dieser bei aller Selbstverwirklichung und Selbstbehauptung noch in der Lage, sich auf einen Partner und wirkliche Nähe einzulassen? Vor dem tätlichen Einsatz der Kamera, gehen oft Monate ins Land. Linge nähert sich ihren Modellen auf ganz unterschiedliche Weise, beäugt die zu Portraitierenden und bezieht deren Umfeld und Wohnung durch Spuren- und Indiziensuche mit ein. Letztendlich entstehen fotografische Psychogramme. Zum einen in Form von inszenierten Portraits, zum anderen durch Stillleben mit versteckten Anspielungen auf die Lebensumstände ihrer Modelle, für die sie gesammelte Fundstücke aus deren Wohnung arrangiert. Carina Linge bespricht und entwickelt jedes Motiv mit den Portraitierten, bevor sie es inszeniert. Nicht jeder verträgt sofort diesen unmittelbaren Blick auf sich, wenn die Künstlerin mit ihrer Sensibilität genau das einfängt, was nur latent zu spüren ist und in nur wenigen Augenblicken zum Vorschein kommt. Ihr Gefühl täuscht sie in den seltensten Fällen. Vordergründig um den schützenden Mantel der Anonymität über die Dargestellten zu legen, komponiert sie ihre Bilder so, dass die Dargestellten zwar sichtbar sind, aber ohne das man sie erkennen kann oder sie vorgeführt werden. Dafür schneidet sie deren Gesichter unterhalb der Augen an. Beeindruckend ist die Fähigkeit Carina Linges, private Einblicke in das Leben dieser Menschen zu geben, ohne sie bloßzustellen. Sie nutzt ihren Bezug zur Kunstgeschichte als Stilmittel, weil ihr diese Bildsprache und Symbolik unendlich viele Ausdrucksmöglichkeiten gibt. Gerade wenn sie vermeintlich historische Posen und Atmosphären zeigt, macht sie die Portraitierten im Hier und Jetzt sichtbar. Mancher mag sich provoziert fühlen, doch Carina Linge versucht mehr über eine Person zu erzählen, als das blitzschnelle Medium Portraitfotografie seinem Wesen nach hergibt.
