Petra Lottje

Petra Lottje

Director's Cut

Projektraum Sophienstrasse
19. September-31. Oktober 2009
Eröffnung 18. September, 2009 um 18 Uhr

Mit der Wahl der Zweierbeziehung als Thema ihrer Arbeit konzentriert sich Petra Lottje auf das Miteinander als politisches Element. Lottje arbeitet seit ihrer Studienzeit in Braunschweig mit den Mechanismen des sozialen Lebens, Dramen, Sehnsüchten, und Manipulationen des Alltags. Während in den ersten Jahren reduzierte Strichzeichnungen Mittel ihres Ausdrucks waren, begann sie später, durch das Interesse an dem gesprochenen Wort und dessen fataler Macht, schließlich mit der Konzentration auf Video.
Petra Lottje entnimmt Satzfetzen und Dialoge aus Filmen, wählt kurze Momente aus, um sie ihren Protagonisten neu in den Mund zu legen. Sie verwendet häufig bereits deutsche-synchronisierte Fassungen, um diese dann neu in Szene zu setzen, lässt ihre Darsteller tonlos die Lippen dazu bewegen und bewirkt so eine mehrfache Verfremdung. Vom abendfüllenden Spielfilmen oder seichten Unterhaltungsprogrammen auf diese Weise isoliert und von allem Ablenkenden befreit, offenbaren die Sätze ihre wahre Bedeutung ohne jede Beeinflussung durch die filmisch aufgebaute Atmosphäre. Ein Mann und eine Frau im Gegenüber versuchen sich so durch Worte zu verständigen; liefern sich ihren Sehnsüchten und ihrer Drangsal aus, Menschen murmeln einsam vor sich hin, leben in ihrer eigenen Gedankenwelt oder fluchen aus einer nicht nachvollziehbaren Wut heraus.
Tatsächlich ist der ursprüngliche Zusammenhang im Originalfilm für Lottje nicht mehr wichtig. Durch die Entnahme einzelner Aussagen werden ursprünglich markig gesprochene oder einfach dahin geplapperte Worte neu definiert und auf ihre ursprüngliche Aussage zurückgeführt. Zurück bleibt nicht nur die Reduktion auf das Maximum, sondern auch unweigerlich das Hinterfragen der emotionalen Wirkung von Spielfilmen; und nicht zuletzt auch die Frage, warum wir ein immerwährendes Interesse daran haben, den gespielten Gefühlsäußerungen von Darstellern zuzuschauen.
Petra Lottje ist stets selbst Protagonistin ihrer Videos. Benötigt sie ein Gegenüber, arbeitet sie prinzipiell mit Darstellern ohne jede Schauspielerfahrung. Wieder reduziert sie mit dem bewussten Einsatz von unverfälschten Personen auf die ungeschminkten Originalaussagen. Ebenso bewusst mischt Lottje die Tonspuren alter schwarz-weiss Filme mit denen aktueller Filme. Die Inhalte der Dialoge waren damals schon lange gültig und sind es auch heute noch - und daran wird sich nichts ändern.
Petra Lottje lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, wo sie 2005 ihr Meisterschülerstudium bei Prof. J. Armleder absolvierte. Zuletzt stellte sie unter anderem im Haus der Kunst in München aus. 2008 erhielt sie ein Reisestipendium der AG Kurzfilm und German Films nach Rio de Janeiro. Petra Lottje wurde 2001 erste Preisträgerin des AirArtAwards, internationaler Künstlernachwuchspreis der EADS Berlin.