DIORAMA
Patrick Cierpka geht es um nichts Geringeres als um die vielschichtige Verbindung zwischen der reellen Welt und ihrer medialen Wiedergabe und gleichzeitig um die Verschmelzung beider Kosmen, die zwischen der Realität und dem abstrakt Verfremdeten wie in einem Diorama hin und her zu tanzen scheinen. Diorama (altgriechisch: „ich sehe durchschimmern") bezeichnet zueinander in Beziehung gesetzte Szenerien, Ansichten von Darstellung und Spiel, festgehaltene Schauplätze von Ereignissen. Cierpka führt unser Auge in ganz prägnanter und mutig leuchtender Farbigkeit durch die verschiedenen Ebenen seiner Werke. In einem raschen Crescendo aufeinanderfolgender Flächen, Farben, Punkte zeigt er uns kurze Momentaufnahmen, Gedankenfetzen, und dann doch wieder perfekt absichtlich in Szene gesetzte, figürliche Situationen. Fast alle seine figürlichen Protagonisten setzt Cierpka in seinen Bildern für „diorama" im unteren Drittel des Formates in Szene. Er schneidet sie an, zeigt nur das Gesicht, den Oberkörper; man könnte meinen, er schätze seine Figuren nur als Büste und benutze diese als assoziative Folie im Bildaufbau.
„diorama" ist die erste Ausstellung von Patrick Cierpka in unseren Räumen in der Halle am Wasser. Wie schon in seinen anderen Ausstellungen reagiert er in der Konzeption auf die vorhandene Raumsituation. Für die Präsentation seiner Bilder konstruierte der Künstler ein überdimensioniertes rundes Lichtelement aus Leuchtstoffröhren. Durch die zentrale Anbringung im Raum schwebt es über den Betrachtern und provoziert zugleich eine kreisende Bewegung im Raum. Als perspektivisches und auch leuchtendes Element im Raum wandelt es diesen im Zusammenspiel mit den Bildern selbst in ein begehbares Diorama um. Nach der überaus erfolgreichen Soloshow von Patrick Cierpka auf der Volta NY freuen wir uns, nun seine neuesten Arbeiten zu präsentieren. Diese stellen erneut Cierpkas künstlerisches Potential unter Beweis und zeigen einen eine spürbare Intensivierung seiner bildnerischen Ausdruckskraft.
Zwischenraum
Die Ausstellung ZWISCHENRAUM ist eine Gemeinschaftsausstellung von Patrick Cierpka und Oliver Lanz, mit der die Galerie Jarmuschek und Partner ein neues Format präsentiert. Neu für das Galerieprogramm ist nicht nur der Künstler Oliver Lanz und besonders seine Malerei, sondern vor allem die Ausstellungsidee: Patrick Cierpka konnte mit Oliver Lanz einen Künstler einladen, mit ihm gemeinsam auszustellen, den er auf besondere Weise schätzt und in dessen Werk er vielfältige Bezüge zu seiner eigenen Malerei sieht. Gerade in der Gegenüberstellung zweier zunächst so unterschiedlich wirkender malerischer Positionen soll, genau wie der Ausstellungstitel erahnen lässt, eine die Malerei auf besondere Weise erlebbar machender ZWISCHENRAUM entstehen. Zwischenraum heißt in dem Miteinander und Gegenüber der beiden Positionen, die jeweils andere als Kommentar und Deutungsansatz zu verstehen. Weitschweifende Farbbänder mit intensiver Leuchtkraft überziehen die Bilder von Oliver Lanz, und lassen allein durch die Schichtung und Berührung von Farbe einen Raum entstehen. Die Farbräume von Oliver Lanz finden in völliger Abstraktion allmählich zurück zu erkennbaren Strukturen und entwickeln dabei konträr zu dem Geläufigen über die Abstraktion wieder figurative Formen wie Umrisse von Körpern und Gesichtern. Wo in den Bildkompositionen von Patrick Cierpka die gemalten Gesichter noch fassbar sind, gelingt es ihm zugleich dem Betrachter sich immer neu aufbauende Raumebenen zu offenbaren. Gerade erst in eine Raumebene eingetaucht, wird man schon wieder in eine tiefere Schicht hineingesogen. Spielerisch eignen sich Oliver Lanz und Patrick Cierpka mit der für die Ausstellung konzipierten Konstruktion den Raum an. Durch ein Lattengerüst von der Wand befreit, scheinen ihre Bilder schwebend den Raum zu öffnen und einen neuen ZWISCHENRAUM zu schaffen, in dem ihre zwei unterschiedlichen künstlerischen Positionen sich gegenseitig bespielen können. Patrick Cierkpa wurde 1967 in Giengen geboren. Er studierte zunächst zwischen 1991 und 1995 Visuelle Kommunikation, ab 1996 Malerei an der HdK Berlin. Im Jahr 2001 schloß er sein Studium als Meisterschüler bei Professor Hödicke ab. Zuletzt waren seine Arbeiten in Berlin im GEHAG-Forum und in der Ausstellung „Neues Deutschland“ sowie in London und Berlin zu sehen. Im Jahr 2003 erhielt er den Hans-Helmut-Baur-Preis. Seine Arbeiten sind in verschiedenen großen Sammlungen vertreten, so unter anderen im Bundesumweltministerium und der AXA Nordstern in Köln. Oliver Lanz ist 1971 in Wuppertal geboren. Zunächst studierte er bei Gotthard Graubner in Düsseldorf und später in Berlin bei Bernd Koberling. Oliver Lanz erhielt mehrere Stipendien, die ihn nach Pittsburgh, New York und Zürich führten, so z.B. das DAAD-Stipendium und im Jahr 2002 das Max-Ernst-Stipendium. Er stellt regelmäßig in London, München und New York aus, wo er zuletzt neben anderen in der Ausstellung „After Matisse/ Picasso“ im P.S. 1 präsentiert wurde.
