Markus Putze

ÄSTHETIK DER EXISTENZ (last exit)

Pressemitteilung

Für seine erste Ausstellung in der Halle am Wasser hat Markus Putze eine großformatige Wandinstallation, bestehend aus einer dreiteiligen Wandzeichnung und applizierten Aquarellen geschaffen. Seine Wandzeichnungen zeigen Elemente aus der Natur, Personen, meist Frauen, und Schriftzüge, die aus Zitaten oder eigenen Wortschöpfungen bestehen.

Die Wandzeichnungen sind so komponiert, dass diese den gesamten Ausstellungsraum miteinander verknüpfen. Im Eingangsbereich empfängt den Betrachter zunächst eine auf der gegenüberliegenden Wand in der Rückenansicht zu sehende weibliche nackte Figur. Mit ihrem Blick, der durch die Wand zu gehen scheint, geleitet sie den Besucher in das Innere der Galerie. Vorbei an der versunken schreitenden Frau fällt der Blick auf die zentralen Passagen der Wandzeichnung im linken Bereich des Hauptraumes. Hier entfaltet Markus Putze eine motivische Komposition aus Bäumen, Figuren und Netzen, bzw. eingeschlagenen Scheiben. Wendet sich der Betrachter zurück, entdeckt er die überdimensional große Silhouette einer stehenden Frau in der Ecke. Über die Eingangswand hinweg ist sie in Richtung des Fensters gewendet. In sich versunken starrt sie bedeutungsvoll ins Leere. Wälder gehen über in Gesichter oder Spinnennetze, die wiederum nicht nur Netz, sondern auch zerbrochene Scheiben sind. Gerade wegen all dieser Vielschichtigkeit sind Markus Putzes Bilder sehr kontrastreiche, ambivalente Kompositionen.

Er verbindet Bild und Schrift, Malerei und Zeichnung, malt figürlich und abstrakt, hell und dunkel, farbig und schwarz-weiß, pornografische Motive stehen im Gegensatz zu Motiven aus der klassischen Malerei. In den in die Zeichnung integrierten Aquarellen setzt sich diese überaus komplexe Gestaltung, in der Positiv- in Negativformen umschlagen, Wälder zu Netzen und wieder zu Frauen werden, fort. Wie Fenster in der Installation öffnen die Aquarelle den Bildraum in immer tiefer miteinander verwobenen Bildwelten. Vielleicht sogar noch mehr als das: Wir sehen uns konfrontiert mit einer unwirklichen, geheimnisvollen Welt, einer unterbewussten Wirklichkeit, deren unmittelbarer Eintritt in unseren Alltag sonst verwehrt ist. Die Glasscheibe, manchmal schützende Instanz, zerbricht vor unseren Augen. Darüber hinaus erzeugen diese Krakelees zunehmend den Eindruck einer rissigen, spröden Bildfläche.

Wie viel halten wir aus, an fließenden, ungreifbaren, verwobenen Eindrücken, die uns durch den ganzen Raum führen, und in Markus Putzes Bilderwelt hineinziehen, bevor wir eine Flucht aus der virtuellen Überforderung herbeisehnen: „last exit", der Untertitel der Ausstellung, gibt uns einen rettenden Hinweis. Denn oftmals muss man, um zu einem Notausgang zu gelangen erst einmal eine Glasscheibe einschlagen. Markus Putze beschreibt uns die Welt mit all ihrer Vielschichtigkeit. In ihrer Schönheit und Vielfalt, aber auch in ihrer Wut und Gewalt. In all den raffiniert komponierten Elementen wie Landschaften, Körpern, und menschlichen Gesichtern blitzt immer wieder eine moderne Romantik auf, mit ihrer stillen Sehnsucht nach Einheit in der Komplexität des Ganzen.

„Ästhetik der Existenz (last exit)" stellt eine Verbindung zu seiner letzten Ausstellung her, die im Rahmen des Art Summer in Hellerau (Dresden) stattfand. Als Ausstellungsort diente das Festspielhaus, über dessen Eingang der Schriftzug „Ästhetik der Existenz" prangt. Neben dieser Ausstellung waren Putzes Werke zuletzt im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg zu sehen, wo der Künstler Stipendiat war. Markus Putze studierte von 1998-2004 an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg in der Klasse von Prof. Christine Colditz. Er lebt und arbeitet in Nürnberg. Seine Ausstellung ist vom 12.09.-17.10.09 in der Galerie Jarmuschek+Partner zu sehen.

 

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Die Wandinstallationen des deutschen Künstlers Markus Putzes (geboren *1968 in Nürnberg) sind gekonnte Inszenierungen von thematisch scheinbar unvereinbaren Aquarellen. Verführerische Frauen zieren die schwarz-weiß bemalte Mauer. Nackt hurend und uns von oben belächelnd, besonnen am Beten, selbstgefällig räkelnd, oder einfach mit einem netten Lächeln betören sie in der Waldidylle. I wish you were here, schreibt eine Bildinschrift wie ein Menetekel an der Wand. Karge, hohe Fichten erheben sich über ihren Köpfen und eine aufgebauschte Wolke schwebt über der Szenerie. An der Mauerecke wölbt sich eine emporragende Felswand und wirkt in ihrer Verspiegelung nahezu vaginal. Überaus raffiniert gelingt es Markus Putze Waldaquarelle, gezeichnete Frauenportraits und farbig gefertigte Abstraktionen auf der Wandmalerei zu vereinen. Wie kleine Fenster öffnen die fixierten Aquarelle das von Mädchen bewucherte Waldmotiv. Selbst im begrünten Laub der Waldaquarelle möchte man verborgene Frauengesichter entdecken. Auf der nackten weißen Wand gegenüber betrachtet ein langhaariger Frauenschopf, schwärzlich gezeichnet, die rätselhafte Wandphantastik. Wie von einer Waldlichtung wird die Offenmundige beschienen.