Jan Vormann

Jan Vormann

...nur einen Steinwurf entfernt

Eröffnung 02.05.2009, 15 Uhr mit anschliessendem Rundgang

03.05. – 13.06.2009

PRESSEMITTEILUNG

Glänzende, bunte Steine schmücken die Fassaden grauer, rauher und glanz-loser Bausubstanzen. Einschusslöcher und zerstörte Mauerwerke werden durch die Installationen von Jan Vormann in ein neues Licht gerückt, seine Eingriffe provozieren den Kontrast zwischen Fiktion und Realität. Wie Fremdkörper eingesetzt in die Fassade oder doch scheinbar als die unterste aufgedeckte Schicht erscheinen die bunten Flächen aus zusammengesteckten Legosteinen. Jan Vormann überschreitet mit diesen Implantationen die Grenzen der traditionellen Medien. Den herkömmlichen Kunstraum verlassend, interveniert „Dispatchwork“ in die Stadtstruktur von Berlins „neuer Mitte”. Fasst der Begriff Patchwork heterogenes zusammen, so wird dieser Prozess durch das Präfix „dis“ im selben Moment wieder in Frage gestellt, er umschließt unterschiedliche Muster und Strukturen. Übertragen auf den Stadtraum Berlin-Mitte als Kunstraum Vormanns bedeutet dies, dass eine historisch polyzentrische Stadt in dem Bedürfnis nach Struktur unabhängig von Gewachsenem, völlig neu ausgerichtet wurde. Ein in der Mitte — nicht im Zentrum — gelegener, vielgestaltiger Stadtkörper wurde gerade mit einem Blick von Aussen plötzlich als zentrale Einheit der Stadt wahrgenommen. Selbst historisch gesehen eint die Mitte eher eine massive Kriegszerstörung bzw. eine rand- und grenzbezogene Verwahrlosung als eine städteplanerische Idee.

Jeweils nur einen Steinwurf entfernt werden Vormanns Installationen im öffentlichen Raum zwischen der Sophienstaße 18 und der Halle am Wasser in der Invalidenstraße 50/51 zu finden sein wie auch nur einen Steinwurf entfernt von den Steine-werfern am 1. Mai und einen Steinwurf entfernt von seiner akademischen Ausbildungsstätte. Seit 2007 beschäftigt sich Vormann intensiv mit dem Spielzeugklassiker. „Dispatchwork“ wurde bereits in Bocchignano (Italien) und Tel Aviv (Israel) ausgestellt, beide Male in Kooperation mit dem Goethe-Institut.

Parallel zur öffentlichen Invasion präsentiert der Projektraum den Künst-ler Jan Vormann in den Räumen der Sophienstraße 18 mit einer Auswahl kinetischer Installationen, die in einer optischen Täuschung scheinbaren Stillstand zeigen. Dennoch werden sie den kinetischen Grundelementen der Dynamik der fortschreitenden Translation und Rotation gerecht, weil hintereinander geschaltete Zahnräder fortwährend langsamer werden, bis — beim letzten Zahnrad angekommen — für das träge menschliche Auge keine Bewegung mehr wahrnehmbar ist. Maschinell betriebene Inszenierungen von Tatsachen transformieren insofern die Zeit der Passanten und lassen sie für eine Weile in einen Dialog mit den unausgesetzt arbeitenden Maschinen treten. Dieser Aspekt spiegelt sich in allen Arbei-ten Vormanns, ob im öffentlichen Raum oder in einer Galerie. Sie beinhalten den grundlegende Gedanken durch die Ästhetik eine Schnittstelle zwischen Künstler und Betrachter zu schaffen.