DINGE KENNEN KEINE REGEL
Berliner Morgenpost, 12. November 09
Die Männer auf Jakob Roepkes Collagen sind bieder gekleidet wie Oberprimaner oder brave Beamte aus eienr früheren Zeit. Aber die Dinge in dem bunt tapezierten Zimmer halten sich nicht an Regeln - Töpfe wie Tische beginnen ein Eigenleben. Und mit Tieren, ein höchst beliebtes Motiv von Roepke, den man als Neo-Surrealismus bezeichnen kann, geschieht nicht wniger Verwunderliches. Ein Leguan bekommt ein Stück Kuchen serviert, ein Fisch wird zur Kleiderkommode umfunktioniert.
Der Berliner Künstler ist 1960 in Kassel geboren und studierte im schottischen Edinburgh und an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Jarmuschek + Partner, die mehrere Ausstellungen des Künstlers zeigten, präsentieren ihn erstmals in der Halle am Wasser.
COLLAGEN - JAKOB ROEPKE
Tagesspiegel, 12. November 09
Großer Saal, winnzige Arbeiten:Erstmals zeigt die Galerie Jarmuschek in der Halle am Wasser die Collegen ihres Stammkünstlers Jakob Roepke. Die kachelkleinen Arbeiten sehen aus wie Minituren aus der Leipziger Schule. Es sind aber minutiös übermalte Variationen alter Illustrationen auf kaschiertem Karton - klaustrophobische Interieurs und absurde Ansichten vom Menschen daheim.
Zeit der Wölfe
Jens Hinrichsen traut sich in unbehagliche Zimmer
Tagesspiegel, 8.12.2007
von Jens Hinrichsen
Der Maler Jakob Roepke – Jahrgang 1960 – bleibt auf jeden Fall bei seinen Leisten. Und sozusagen darauf, denn seine kleinformatigen bemalten Collagen sind in der Galerie Jarmuschek und Partner in Augenhöhe auf Profilleisten gestellt, statt gehängt. Eine gute Idee: Rahmen würden diese farbstarken Nachtstücke auch gar nicht vertragen. Vor zehn Jahren fing Roepke diese Serie an, eigentlich nur, um sich von der Arbeit an seinen abstrakten Großformaten zu erholen. 600 Täfelchen sind inzwischen entstanden, knapp 60 sind in der Ausstellung „Zimmerwolf und Budenkoller“ zu sehen (je 200 Euro). Jede dieser klaustrophobischen Zimmeransichten ist eine Welt für sich, eine Miniaturbühne. Die Kulisse entwickelt Roepke aus Geschenkpapier, deren Muster und Farben die Grundstimmung für die Inszenierung vorgeben. Es spielen: Vorturner, die Roepke aus Yoga- oder Jiu-Jitsu-Büchern ausschneidet. Aus diesem offenbar ganz beschaulichen Leben der Marionetten will keiner der stocksteifen Gesellen entfliehen. Auch wenn Roepke mehrere Figuren ins Quadrat klebt, bleibt das Personal somnambul, vereinzelt, wie im Traum gefangen, reitet rücklings auf wilden Wölfen oder schläft im Stehen, in merkwürdigen Holzgerüsten verkeilt. Manchmal bringt Roepke mit fein geführtem Pinsel rätselhafte Lichterscheinungen ins Spiel. Gibt’s doch ein Leben jenseits der Bude? All den eingepferchten Yogis und Japanern scheint Transzendenz eher schnuppe zu sein. Sie bleiben dumpf sogar da, wo ihnen das Wasser bis zum Hals steigt. Wasser? ...
JAPANISCHE KÖRPERERZIEHUNG
Kunst aus Schnipselchen und Zettelchen. Ein Portrait des Malers Jakob Roepke
Die Welt, 29.01.2010
Von Frank Wegner
Dieses Buch hat das Leben des Malers Jkob Roepke maßgeblich beeinflusst. Deshalb hat er es auch mit einem Griff aus einer Kiste unter dem Arbeitstisch in seinem Atelier in Berlin Mitte hervorgezaubert. der Bucheinband und die ersten Seiten fehlen. Das Papier ist vergilbt. Es scheint aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert und beinhaltet Abbildungen und Fotos von Männern in langen schwarzen Hosen und weißen Hemden. „Genau diee Abbildungen haben mich fasziniert. Gelesen habe ich das Buch bis heute nicht", meint Jakob Roepkte mit einem Lächeln. es ist ein Buch über die methodische Körpererziehung im Japan jener Zeit. Vor zwanig Jahren fiel Roepke dieses Buch in die Hände . Seit 1996 sind diese Männer Gegenstand seiner Malerei, als er die ersten Collagen unter dem Titel ,,Die Japaner" schuf. Es sind kleine 12x13 Zentemeter große Tafeln, die der Künstler von Beginn an fortlaufent nummerierte. In Kürze ist die 1000er Marke erreicht!
Lange Arbeitstiche im Atelier, voll gepackt mit ausgeschnittenen Papierbildchen Darauf Tiere aller Arten und Alltagsgegenstände. Schnipselchen hier und Zettelchen da. Unter den Tischen stehen prall gefüllte Kartons. Papiere, Seiten aus alten Schulbüchern und Atlanten , gemusterte Bögen. ,,Alles Material, das ich verwerte." Auch an den Wänden hängen Ausrisse aus Büchern und Magazinen. El Greco neben John Travolta, Bambi neben einer idyllischen Berglandschaft.
Jakob Roepke wollte eigentlich immer ,,in Ruhe mein Ding machen". Er wuchs in Bad Homburg auf. ,,Ich inszenierte schon immer gern, besonders im eigenen Kinderzimmer." Er malte und zeichnete und hatte später sogar eine eigene Radiepresse im Keller. Nach dem Abitur verschlug es ihn nach Offenbach an die Hochschule für Gestaltung. Ein guter Ort um sich auszuprobieren. Er merkte, dass er dass er malen wollte. Und das tat er dann auch. In der am Bauhaus orientierten Schule erwarb er sich seine formalästhetischen Grundlagen, die bis heute in seinen Arbeiten zu erkennen sind. „Von 1986 an machte ich Ausstellungen an allen möglichen Orten." Im selben Jahr ging er mit Freunden für ein Jahr nach Edinburgh ans dortige College of Arts. „Ich wollte einfach nur in Ruhe malen." Die Gelegenheit hatte er dort. Zudem machte er erste Erfahrungen mit der Bildhauerei. „Das College war schon ein Unterschied zur Hochschule. Ein vollkommen anderer Stil. Es war so eine Mischung aus schottischer Heimatmalerei und sozialistischem Realismus." Im Gegensatz zu den dort vorherrschenden erdfarbenen dunklen Bauern- und Fischermotiven malte Roepke großformatige abstrakte Bilder, so genannte „Peaches". In Offenbach zurück machte er seinen Diplom und bezog danach sein erstes Atelier in einer ehemaligen kleinen Lederfabrik. Bis heute kommt er auf die stattliche Anzahl von dreißig Ateliers. „Die erste Zeit war ich schon irgendwie auf mich selbst gestellt." Dann zog es ihn wieder nach Edinburgh, wo er bis 1994 malte. „Leider war der Kunstbetrieb dort ncht so attraktiv und vielfältig wie in Deutschland." Was ihn in der schottischen Metropole aber nachhaltig beeinflusste, war das Geschichtenerzählen. „ja, du musstest immer Geschichten erzählen, egal was, Hauptsache Geschichten." Eine war die von seinen Fröschen, die e im böhmischen Plzeò gekauft hatte und nach Schottland mitgenommen hatte. „Und dort leben sie wohl heute noch!", ment er mit einem Augenzwinkern. Und dieses Geschichten erzählen ist das, was seine Bilder heute ausmacht. „Das geht für mich auf kleinen Bildern besser als auf größeren."
Roepkes surrealer Bilderkosmos scheint unendlich. Ausgangspunkt ist für ihn immer der Raum, genauer: ein Innenraum. Das Draußen wird durch das Fenster sichtbar. Figuren aller Orten, Fische fliegen durchs Zimmer, ein Riesenauge schaut durch das Fenster. Ein Saurier sitzt auf dem Tisch. Schlangen, Vögel, Hunde, Pferde, Schildkröten. Und dann immer wieder diese Männer. Immer gleich gewandet kämpfen sie in ungelenken Posen mit sich selbst und dem Unbill von Getier, Mobiliar oder sonstigen Konstrukten. Bei Roepke wird aus Gebrauchsmaterial wieder ein künstlerisches Original. Hat er eine Idee, schreibt er sie auf eine Zettel. Verwendungsdatum offen. „Berlin hat sich einfach so egeben", sagt Roepke. Seit Mitte der neunziger Jahre ist er hier. Hier lernte er seine Frau kennen, mit der er einen fünfjährigen Sohn hat. Und hier lernte er auch Kristian Jarmuschek kennen, seinen ersten festen Galeristen, Das war 2002.
Seitdem hat sich viel getan. Messeauftritte und internationale Ausstellungen folgten. Mittlerweile wird Roepke auch von den Galerien Fred (Lomdon), Bravermann (Tel Aviv) und beaverprojects (Kopenhagen) vertreten. Die Schar seiner Sammler wächst beständig. Zwölf seiner Bilder sind in London in der Sammlung Sir Duncan Mc Larens. Die Collage Nr. 737, die von einem Rosenbild René Magrittes inspiriert war, kaufte auf der Berliner Messe „Preview" ein dänischer Sammler, der Rosen züchtet und Rosenbilder sammelt. Auch jenes von Magritte nennt er sein eigen. Den Maler freut es und er lächelt wieder. In Roepkes Werk verbinden sich Spiel und Erfindung mit Forschung und Methodik. Kunst eben.
Jakob Roepke wird von der Berliner Galerie Jarmuschek und Partner vertreten.
