Jac Lahav

Pressemitteilung

Der junge amerikanische Künstler Jac Lahav stellt sich in seiner Serie "48 Jews" die Frage nach der jüdischen Identität. Allein schon mit dem Titel will er den Betrachter dazu herausfordern, für sich den Begriff ‚Jude' zu hinter­fragen. Schon der erste Versuch des Hinterfragens zeigt mehrere Ebenen auf. Man kann sich auf verschiedene Weise als Jude identifizieren: kulturell, genetisch, gesetzlich oder auch praktisch. Jüdisch zu sein erschließt sich nicht einfach daraus, jüdische Vorfahren zu haben. In der Geschichte gibt es genug Beispiele von nicht praktizierenden Juden, oder solchen, die zum christlichen Glauben konvertierten. Vielleicht interessiert Lahav deswegen auch, wie das Judentum das Bewusstsein der jüdischen Menschen beein­flusst. Auf jeden Fall liegt ihm etwas daran, den Dialog bezüglich jüdischer Identität und was dies für den Einzelnen bedeutet, zu fördern.

Lahav ist ständig bemüht, Widersprüche und Ausnahmen in seine Werke einzubauen, um eine Einordnung zu erschweren. Schon der Ausstellungs­titel steht im Widerspruch zur realistischen Anzahl der Bildnisse, die weit mehr als 48 sind. Abgesehen von seiner Anlehnung an Gerhard Richters Serie hat die Zahl 48 eine große Bedeutung innerhalb der jüdischen Ge­schichte: 1948 ist das Jahr, in dem Israel seine Unabhängigkeit erklärte und in der hebräischen Bibel gibt es 48 Propheten.

Allerdings will er in seinen Bildern die Dargestellten weder explizit als Juden aufzeigen, noch einfach das „Jüdisch sein" feiern. Ihm geht es vielmehr um seine eigene zwiespältige Situation, die Auseinandersetzung mit seiner Herkunft und das Hinterfragen der stilistischen Identität als Maler und der jüdischen Identität im Allgemeinen. Oft ist man zunächst völlig überrascht die oder den Dargestellten im Kontext einer Serie „jüdischer" Porträts zu finden. All diesen Fragen bilden den Hintergrund für die zum Teil stark far­bigen Bilder des Künstlers. Bekannte Gemälde der letzten sieben Jahrhun­derte dienen ihm als Ausgangspunkt und Orientierung für seine eigenen Bildinterpretationen.

So findet man beispielsweise ein vielschichtiges Bild von Bob Dylan, inspiri­ert nach einem Bild von Hans von Marees, „Selbstbildnis mit Lenbach" von 1863. Lahav hält sich in diesem Fall sehr stark an seine eigene Vorlage und überspitzt sogar die Interpretation, die in Marees Bild Lenbach als Person­ifikation des Todes bezeichnet, indem er Dylan doppelt und in der Position von Lenbach auf dem Bild als Tod darstellt.

Alle Bilder vermitteln den Anschein einer Collage, weil Lahav sich in einem Grenzereich zwischen abstrakter und figürlicher Malerei bewegt. Auch der Prozess der Bildentstehung spielt in der Wirkung der Bilder eine wichtige Rolle, so zeigt Lahav deutlich die Schichtungen seines Farbauftrags indem er immer wieder die Bildfläche abschabt und tiefere Schichten freilegt. Alle seine Bilder sind quadratisch und gleich groß, stilistisch aber völlig unter­schiedlich. Jedes Bild entsteht in einem immer neuen Prozess der Ausein­andersetzung mit der oder dem Portraitierten. So erarbeitet sich Jac Lahav jedes Portraits eigenständig mit jeweils inhaltlichen und eben auch unter­schiedlichen stilistischen Ergebnissen.

Jac Lahav wurde 1979 in Jerusalem geboren. Er studierte an der Cooper Union for the Advancement of Science and Art in New York und zuletzt am Brooklyn College. Wir freuen uns, diesen jungen in New York lebenden Kün­stler erstmals in Deutschland in einer Einzelausstellung in unserem Projek­traum Sophienstraße präsentieren zu können.