Harding Meyer
about-face
Harding Meyer zeigt uns in "about-face" mehr als die von ihm gewohnten schönen Stills medialer Angesichter und entrückte Schönheiten, deren Blicke im Nichts zu verhallen scheinen. In "about-face" evoziert Harding Meyer die absichtliche Entstellung seiner Protagonisten.
Waren bisher zunächst perfekte, von Meyer verfremdete Portraits Gegenstand seiner Darstellung, arbeitet er nun mit eigenen Photographien und manipuliert bereits in der Vorstufe seiner eigentlichen Arbeit die Dargestellten absichtlich - er deformiert Nasen, entstellt Gebisse, lässt Augenlider und Gesichtshälften wie durch Lähmung entstellt erscheinen. Dann erst überträgt er sein demiurgisches Werk auf Leinwand, um dort die Manipulation noch weiter zu zelebrieren und das Portrait durch verschiedene Schichten weiter zu verfremden. Der reine Anblick der vorausgegangenen Maskierung wird dabei nicht freigelegt, die Dekonstruktion der Protagonisten wird ergänzt durch seine spezifische Mal- und Spachteltechnik, welche die Bildoberfläche zerfurcht. Zusätzlich zentriert er das Portrait in ein quadratisches Format, so dass nichts das Auge ablenkt und keine Fluchtmöglichkeit geboten wird. Der Anblick fordert das Publikum heraus die Natur der Dargestellten immer wieder aufs Neue einzufangen und einzuordnen um dabei das Portrait zu entschlüsseln. Trotz oder vielleicht wegen der Entstellungen schälen sich in den neuesten Portraits Harding Meyers die Charaktere der Abgebildeten heraus, trotz der Verfremdung kommt das tatsächliche Wesen des Dargestellten durch, bis schliesslich am Ende der Eindruck eines wahren Portraits entsteht.
"about-face" ist Harding Meyers zweite Einzelausstellung der Galerie Jarmuschek + Partner. In ihr löst sich Harding Meyer von seinem bisherigen Weg, denn “about-face” bedeutet übersetzt Richtungsänderung, Blickwechsel, Veränderung, – und für Harding Meyer eine weitere bedeutenden Facette zur Komplettierung seines eigenen künstlerischen Selbstbildnisses.
Der 1964 in Brasilien geborene Harding Meyer studierte an der Kunstakademie in Karlsruhe und erhielt 1999 den renommierten Helmut-Stober-Preis.
Claudia Barthoi
