GRAUBERG: intervention
In der Beherrschung der Linie entsteht Raum. Jarmuschek+Partner präsentiert den jungen Dresdner Künstler GRAUBERG mit Objekten und Zeichnungen in seiner dritten Einzelausstellung INTERVENTION der Galerie. In seinen Arbeiten beschäftigt sich der Künstler mit dem spielerischen Umgang von Wahrnehmung und Erwartung, die er im abstrakten Nebeneinander von Fläche und Linie neu ergründet. Die Linie wird kompromisslos und demonstriert Macht. Die Konstruktion lässt Räumlichkeit entstehen, in dem er schablonenartig mehrere Flächen übereinander schichtet und zugleich irritierende Leere in den Zwischenräumen schafft. Die Freiheit seiner Arbeit erscheint als Resultat selbst auferlegter Begrenzung.
Die Erforschung der Linien und die Erkundung ihrer Reaktionen münden in der exakten Konstituierung von Strukturen, die keine Zufälligkeit zulässt und in denen jede Linie ihre Berechtigung erhält. In diesem ästhetischen Prozess entstehen die Ideen zu seinen Zeichnungen auf einer gefühlsbetonten Ebene, die sowohl eigene Assoziationen fordert, als auch Überraschungen in sich birgt. GRAUBERG bricht in seinen Zeichnungen mit der Erwartungshaltung des Betrachters, indem er die geschaffenen Wahrnehmungen von vermeintlichen Landschaften verfremdet. Durch diese Öffnung fiktiver Räume innerhalb des Zusammenspiels der Linien werden bewusst Irritationen geweckt, die der Betrachter als Intervention erlebt. Bemerkenswert ist, wie GRAUBERG mit den Erwartungshaltungen des Betrachters spielt, wenn er vermeintliche Landschaften im Moment ihrer suggestiven Andeutung durch Verfremdung wieder zerstört.
Komplimentiert werden die Zeichnungen mit Objekten aus Holz, Pappmachée und Glas, die eine tatsächliche Räumlichkeit schaffen. Diese Intervention provoziert die Interaktion des Betrachters, das Umrunden der Objekte. Er setzt sie bewusst in Beziehung zu seinen Zeichnungen und zwingt so zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit Raum, Linie, Fläche und Zeit. Die sichtbar werdenden Lineaturen, Parallelen und Konstruktionen eröffnen erlebnishaft weitere Schichten und Räume und fordern einen aktive Wahrnehmung seitens des Betrachters. Das Betrachten und Erkunden von allen Seiten ermöglicht die räumliche Nachvollziehung der frei dimensional greifbaren Objekte im Raum und eröffnet Platz für Projektionen zwischen Objekt und Zeichnung.
Beide Medien, Zeichen- und Objektkunst verlangen eine neue Art des Sehens, da sie figürliche sowie abstrakte Elemente in sich tragen. Im stetigen Pendeln zwischen dem eigenen freien Wunschbild und dem festen Charakter des Graphischen im Werk, reduziert GRAUBERG beide Kunstformen auf ihre notwendigen Komponenten und eröffnet so eine neue Struktur, die Sinnlichkeit durch Wesentlichkeit schafft.
GRAUBERG, 1972 in Dresden geboren, studierte an der HfBK Dresden und wurde 1999 Meisterschüler bei Professor Kerbach. 2004 war er Stipendiat im Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf. In den letzten Jahren zeigte er seine Arbeiten in verschiedenen Einzelausstellungen in Deutschland und war unter anderem 2004 an der Ausstellung „Twenty-Four Living Artists in China”, in Beijing beteiligt.
