Angriff der Pixel
Peter Herbstreuth findet in Berliner Galerien Parallelwelten
Tagesspiegel, 19.2.2005
von Peter Herbstreuth
Das gilt auch in der Galerie Jarmuschek + Partner (Sophienstraße 18, bis 5. März), wo der Dresdner Maler Grauberg einer schillernden Idylle des Gewohnten bis zu eben jener Schwelle nachgeht, an der sie in Unverhofftes umzuschlagen droht und die Luft von Ungeheuerlichem zittert. In seinem neuen Zyklus bezieht er sich auf „sentei“: den kunstvollen Schnitt der Bäume in Japan (Preise von 3000 bis 6500 Euro), blendet geometrische Muster wie tektonische Verschiebungen ineinander und zeigt, was nicht zu sehen ist: die vibrierende Ruhe vor dem Umschlag als reine Evokation und permanenter Krisenzustand. Das verleiht den Mustern eine stete Aggression – wie der böse Blick bei Majewski im Schutz des häuslichen Dekors. Sie können mit dem Unheimlichen von E.T.A. Hoffmann verbunden werden, bei dem das Grauen aus den polierten Möbeln kriecht. In all diesen Parallelwelten ist Farbe eine Waffe.
